7 große Fehler beim Umzug

Wer über einen Umzug nachdenkt, denkt oft über die falschen Vor- und Nachteile nach.

1. Konzentration auf den Gewinn statt auf die Verluste

Wenn Menschen ans Übersiedeln denken, achten sie fast ausschließlich darauf, welche Vorteile sie aus dem Umzug in eine neue Stadt haben werden. Psychologisch sind wir aber weit stärker dadurch betroffen, was wir verlieren.

Wenn wir zum Beispiel Aktien zu einem hohen Kurs verkaufen und dabei Gewinne machen, sind die Auswirkungen auf unser Gefühlsleben geringer als beim Verkauf zu niedrigen Kursen und mit Verlust. Wir meiden Verluste und sind fest auf Verlustvermeidung “programmiert”. Darum denken wir lieber statt an die positiven Seiten eines Umzugs daran, was man beim Umzug verliert. Frage dich: Was wirst du vermissen? Denn genau daran wirst du am meisten denken.

Überlege, was du wirklich aufgeben willst. Bei jeder Übersiedlung geht es in Wirklichkeit darum, Sachen aufzugeben und danach nicht mehr zur Verfügung zu haben. Neue, interessante Dinge zu erwerben kann Spass machen. Aber wichtiger und auch reifer ist das Bewusstsein darüber, was man hinter sich lassen kannst. Die meisten Entscheidungen im Leben eines Erwachsenen erzeugen Einschränkungen bei alternativer Möglichkeiten.

2. Wir unterschätzen das Pendeln zur Arbeit

Man glaubt, dass man etwas anstrebst, wofür man gerne alles aufgibt – die große Wohnung, das abwechslungsreiche Kulturleben, den interessante Job, die guten Schulen – etwa für ein ruhiges Leben auf dem Land. Aber wenn damit lange Wege zu allem verbunden sind, das uns wichtig ist – nun, dann ist die traurige Realität leider so, dass man eben nicht alles, was man will, auch haben kann. Die langen Fahrzeiten kosten mehr Nerven – mehr als die ganzen “guten Dinge” jemals im Vergleich an Glücksgefühlen bringen.

3. Wir verschwenden Zeit vor dem Umzug mit Kurzbesuchen

Die Entscheidung über den zukünftigen Wohnort sollte nach den grundlegenden Faktoren getroffen werden – die Nähe zu lieben Menschen, gute Arbeitsmöglichkeiten und so weiter. Diese Fragen kann man online oder im Telefongespräch mit Freunden und Verwandten klären. Der Versuch, bei einem Besuch herauszufinden, ob man hinpasst, ist absurd. Eine Großstadt hat Unterschiede von Bezirk zu Bezirk, sogar von Straßenzug zu Straßenzug, und bei einem Ausflug gewinnt man nie den richtigen Eindruck. Nachlesen und Vertrauen in statistische Daten sind die besseren Grundlagen für die sichere Wahl des Wohnorts.

Ein Ausflug in einen Ort erzeugt nur einen schiefen Eindruck und wird den Entscheidungsprozess durch die stärkere Gewichtung von unzuverlässigen Argumenten bloß verwässern.

4. Wir überschätzen die Gehaltserhöhung

Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman fasst Jahrzehnte der Glücksforschung so zusammen: “Es ist nur eine gelinde Übertreibung zu sagen, dass Glück das Verbringen von Zeit mit lieben Menschen ist, die einen wiederlieben.”

Es ist demnach keine Überraschung, dass der Umzug weg von vertrauten Menschen zu einem besser bezahlten Job gut überlegt werden muss. Eine Analyse des Glücksforschers Dr. Nattavudh Powdthavee hat ergeben, dass erst eine Gehaltserhöhung um 150.000 EUR den Verlust kompensiert, den das Wegziehen von Freunden und Familie darstellt.

5. Wir halten uns für etwas Besonderes

Betrachte die Bevölkerung der Stadt. Du bist normal. Du bist Durchschnitt. Du wirst zum Mittelwert der Bevölkerung. Das ist ein Naturgesetz. Der Durchschnitt ist durchschnittlich, weil die meisten Leute so sind. Man verkompliziert nur sein Leben, wenn man in einer Fantasiewelt lebt, in der man nicht typisch bist.

Sobald man das akzeptiert hat, kann man die Wissenschaft zum eigenen Vorteil verwenden. Zum Beispiel fühlen sich selbst Menschen mit 500.000 Euro Jahreseinkommen nicht reich, wenn alle Nachbarn mehr verdienen. Das ist das Gesetz der finanziellen Zufriedenheit – sie ist relativ, nicht absolut, und man fühlt sich am besten wenn man ein Durchschnittsverdiener innerhalb seiner Umgebung ist. Zu viel, und man wird zum Ausgestoßenen; zu niedrig, und man fühlt sich zurückgesetzt.

Ähnliches gilt für das Leben in der Großstadt. Großstädte sind ungeeignet für normale Elternpaare. Ehen haben keinen Bestand, wenn beide Partner riesige Einkommen erarbeiten müssen. Frauen möchten nicht, dass ihre Kinder von Kindermädchen aufgezogen werden. Das bedeutet, dass nur das Großstadtleben nur für Familien mit einem Alleinverdiener in den höchsten Einkommensbereichen attraktiv ist. Andernfalls kosten die Kompromisse, die das Familienleben in der Großstadt fordert, mehr als die vermeintlichen Vorteile – schon deshalb, weil ganztägig hart schuftende Eltern, die am Abend gerade noch ihre Kinder ins Bett stecken, kaum Energie für das ausgedehnte Nachtleben der Großstadt aufbringen können.

6. Wir vertrauen Lebenskosten-Berechnungen

Lebenskosten-Kalkulationen liefern Informationen, die nichts nützen. Man will wissen, ob man an einen Wohnort zufrieden ist und nicht, ob man durch einen Umzug Wohnkosten von 20.000 Euro im Jahr einspart. Wer zum Beispiel über einen Umzug von Salzburg nach Wien nachdenkt, zieht von einer teuren Stadt in eine andere. Eine Gehaltserhöhung ändert daran nicht viel. Besser ist es, über die kulturellen Unterscheide der beiden Städte nachzudenken als nur über Kosten. Nur wenige Menschen passen gut in beide Städte, und das kann kein Wohnkosten-Rechner ausspucken.

7. Wir übersehen wichtige Faktoren

Man kann die wirtschaftlichen Faktoren vor einem Umzug an einen anderen Ort recherchieren, die ökologischen Umständen, die Verkehrsanbindung und vieles mehr. Man glaubt, dass man alle Informationen zusammengetragen hat. Und nach dem Umzug fällt einem plötzlich auf, dass man vergessen hat, an die Schulen zu denken. Und da ist die Entscheidung für einen Wohnort fasst so wie die Wahl des richtigen Partners: Was man am Anfang übersieht, wird später zum wichtigsten Teil der Entscheidung. Man weiss im Vorfeld nie, ob man eine gute Entscheidung trifft oder damit zurechtkommen muss.

Mehr dazu:

Kommentare