Pro und contra Wasserspender im Büro

Die Produktivität im Büro soll ein Wasserspender fördern, wartende Klienten oder Kunden bei Laune halten, und außerdem noch das Sozialleben in der Firma positiv beeinflussen.

Was ist dran an den Argumenten der Wasserhändler?

Wenn ein US-Amerikaner sagt: “This is one for the watercooler”, dann umschreibt er das soziale Phänomen, das der Wasserspender in den Großraumbüros der USA darstellt.

Der zentrale water cooler hat neben dem eigentlichen Zweck, durstige Mitarbeiter schnell und einfach vor der Dehydrierung zu bewahren, eine weitere wichtige Funktion: die eines informellen Versammlungspunkts, an dem beim zufälligen Zusammentreffen Gerüchte verbreitet werden und der letzte Büroklatsch durchgekaut wird. Wenn eine Geschichte also “one for the watercooler” ist, ist sie also noch nicht reif für eine offizielle Veröffentlichung oder hat sogar den leichten Hautgout einer spekulativen Halbwahrheit.

Wer fleißig US-Serien im Fernsehen schaut, kennt diese Szenen. Aber wozu stehen dort eigentlich überhaupt die ganzen Trinkwasserspender herum, wo Wasser doch ohne Probleme aus der Leitung gezapft werden kann? Können die nicht Espressi aus dem Kaffeeautomaten trinken wie die Büroinsassen der anderen westlichen Zivilisationen?

Kultur-Polemik beiseite lassend, erkennt man aber ganz flott, dass ein einfacher Zugang zu frischem, sauberem Trinkwasser viel für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz bewirkt:

  • Leitungswasser ist in vielen Industriegebieten keineswegs reines Wasser aus Hochquellen, das – in kilometerdicken Gesteinsschichten gefiltert und mit natürlichen Mineralien angereichert – in die Versorgungsnetze eingespeist wird, sondern in stark industrialisierten Gebieten möglicherweise das Resultat der Aufbereitung von Flusswasser und damit die desinfizierte Version der grauen Brühe, die auch die Abwässer der städtischen Kläranlagen und des Lastschiffverkehrs aufnimmt.
  • Linke und rechte Hirnhälfte sind über den so genannte Balken (Corpus callosum) verbunden, der die Kommunikation zwischen den beiden Hirnhälften überträgt. Logisches Denken aus den linken Hemisphäre kann sich so mit emotionalen Argumenten aus dem rechten Hirnbereich abgleichen. Diese Brücke leidet bei Durst, die Lösung komplexer Aufgaben funktioniert also mit Wasserkraft besser.
  • Kaffee entwässert. Eine Tasse Kaffee steigert kurzfristig die Leistung, macht munter und hebt den Blutdruck – gut so! Aber im Anschluss sinkt der Wassergehalt des Körpers und damit die Leistungsfähigkeit wieder ab. Der kleine Becher Wasser aus dem Wasserdispenser ist also eine ideale Ergänzung zum altgewohnten Becher Kaffee im Büro.
  • Viel zu Trinken hilft dem Körper ganz allgemein viel. Zwei Liter am Tag werden empfohlen, oder auch drei – je nachdem, wer gerade als Ernährungsguru die Aufmerksamkeit der Medien genießt. Wasser ist ein geschmacksneutrales Getränk und macht diese Vorgabe auch für jene erreichbar, die bei dem Gedanken an die Zwangskonsumation von zwei Liter Tee oder Molke innerlich verzweifeln.

Und der Umweltaspekt von Wasserspendern?

Klar ist, dass eine energieintensive Verteilung von Wasser in 10-Liter-Nachfülltanks ökologisch nicht zu rechtfertigen ist, wenn noch Wasser in guter Qualität aus der Trinkwasser-Leitung fließt.

Wesentliche Faktoren für die Umweltbilanz von Trinkwasserspendern sind:

  • Der Energie-Aufwand für die Abfüllung und den Transport
  • Die eingesetzte Chemie zur Aufrechterhaltung der Hygiene der Anlage
  • Die Energie-Kosten für den Betrieb des Warmwasser-Teils und der Kühlung

Vor der Anschaffung eines Wasserspenders sollten also alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein, damit nicht auf Kosten von Natur und Umwelt genau jene Faktoren verstärkt werden, die die Versorgung mit reinem Trinkwasser ursprünglich gefährden.

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